Mein Projekt: Down to Earth!

Intakte Ökosysteme – Teil 1. Die Wasserkrise

Wasser ist ein öffentliches Gut und zudem ein Menschenrecht.

Dennoch gibt es laut Maude Barlow (Autorin, ehem. UN-Beraterin für Wasserwirtschaft, Mitbegründerin des Blue Planet Project), kein wasserreiches Land auf der ganzen Welt, das keine Probleme hat. 

Schauen wir uns kurz zusammengefasst, ein paar Fakten an:

1. Verteilung des Wassers in der Welt:

Wasseranteil weltweit ca. 97,5 % über die Ozeane. Davon 2,5 % süßes Trinkwasser. 

Süßwasser befindet sich zu ca. 79 % in Eisdecken und Gletschern. Darin enthalten in etwa 20 % Grundwasser, von dem nur 1 % leicht zugängliches Oberflächenwasser ist.

Dieses wiederum setzt sich wie folgt zusammen:

  • 52 % Seen
  • 38 % Bodenfeuchte
  • 8 % Atmosphärischer Wasserdampf
  • 1 % Wasser in Lebewesen
  • 1 % Flüsse

Festzuhalten ist, daß leicht zugängliches Wasser eine knappe Ressource darstellt. Nur ein geringer Anteil des gesamten Wassers auf unserem Planeten ist unmittelbar als Trinkwasser für den Menschen geeignet. Der zunehmende Wasserverbrauch hat sich seit 1970 in etwa verdreifacht, bei einem jährlichen Bedarf von ca. 64 Mrd. Kubikmeter. 

2. Extreme Dürre- und Hitzeperioden, die den Wasservorrat beeinflussen:

1983 – 1985
Dürren in Äthiopien, Eritrea und Sudan. 450000 Menschen erleiden den Tod durch Verdursten.

1990
Das UN-Umweltamt erklärt die Austrocknung des Aralsees, ein abflussloser Salzsee in Zentralasien, zur schlimmsten ökologischen Katastrophe des 20. Jahrhunderts.

2008
Die UN schätzt, das wöchentlich 42000 Menschen an Krankheiten sterben, die mit schlechter Wasserqualität und unzureichender Sanitärversorgung zu tun haben. 

2011 – 2017
Kalifornien erlebt eine der stärksten Dürren der Geschichte und betrifft Landwirtschaft, Natur und den Alltag.

2017
Extremer Wassermangel in Rom, Italien. Brunnen wurden abgestellt, das Wasser bei 40 Grad anhaltender Hitze rationiert.
Maude Barlow erklärt, dass die Hälfte der Flüsse in China seit 1990 verschwunden sind. 

2020
Australien erlebt einen bis dahin nie da gewesenen Hitzerekord mit verheerendem Großflächenbrand, inklusive Toten und weitreichenden Folgen für Mensch und Tier. 

2021
Erneut Hitzerekord in Kalifornien und seiner umliegenden Staaten, Nevada, Utah, Arizona und Teile von Colorado neben den flächendeckend anhaltenden Dürren und Rationierung des Wasser mit 46,7 Grad. 50 Millionen Menschen sind betroffen. Arizona verzeichnet in der Hauptstadt Phoenix 48 Grad während im Death Valley 54 Grad gemessen werden. Temperaturen jenseits der 40 Grad stellen eine Gefahr für Leib und Leben ebenso wie für die Natur dar. In 2020 starben im County Maripoca, Arizona mehr als 300 Menschen den Hitzetod, im April 2021 sind bereits drei Menschen in Folge anhaltender Hitze ums Leben gekommen.

 

Wasserstress

Der Wasserstress auf dieser Welt entsteht dann, wenn ein hoher Anteil der erneuerbaren Wasserressourcen entnommen wird. Oder anders ausgedrückt, wenn viele Nutzer um diese begrenzte Ressource konkurrieren.

Um das zu verhindern, müssen die Zusammenhänge des gesamten Ökosystems und die Folgen unseres Wirkens auf diesem Planeten verstanden werden. 

Der Wassermangel ist neben dem Klimawandel eines der dringlichsten ökologischen und menschlichen Krisen des 21. Jahrhunderts. Wasser ist ein Gemeingut und ein grundlegendes Menschenrecht der Zugang zu sauberem Trinkwasser. Zunehmend wird der Wasserkreislauf durch verschiedene Faktoren, wie Verschwendung, Verschmutzung und Überkonsum massiv gestört, sodaß der natürliche Austausch zwischen Atmosphäre, Gewässern und Boden nicht kontinuierlich stattfinden kann. In der Folge bricht eine zuverlässige Wasserlieferung weg. Besonders deutlich zeigt sich die Wasserknappheit in Entwicklungsländern, in denen Frauen und Kinder über kilometerlange Strecken zu Fuß bewältigen müssen, um an wenige Tropfen Wasser zu gelangen. Diese Entwicklung wird sich weltweit ausbreiten, wenn wir hier nicht radikal einschreiten und Wasser als eine endliche Ressource im Kampf um das Klima und um intakte Ökosysteme ernst nehmen. 

In Hyderabad einem indischen Slumgebiet beispielsweise stehen im Jahr 2007 unzählige Menschen an, um Wasser aus einem Tankwagen rationiert abgefüllt zu bekommen. 2018 erlebt Indien eine schwere Wasserkrise, die nach derzeitigem Kenntnisstand bei anhaltender Entwicklung in ca. 2030 übertroffen werden dürfte. Dann wird der Bedarf an Wasser das Wasserangebot bei weitem übersteigen. 

Weltweit ist für ca. 1,1 Mrd. Menschen Wasser nur schwer zugänglich. 2,7 Mrd. Menschen erleiden aufgrund des Klimawandels mindestens einen Monat pro Jahr Wassermangel. Auch wenn die Erdoberfläche zu 70 % von Wasser bedeckt ist, handelt es sich um salziges Meerwasser. Lediglich 0,014 % sind zugängliches Süßwasser. Wie oben erwähnt halten Seen, Flüsse und Grundwasserleiter Süßwasser bereit. Grundwasserleiter sind poröse, wasserhaltige Gesteinsschichten, die auch Aquifere genannt werden. Der geringe Süßwasseranteil findet in allen Lebensbereichen von Mensch und Tier Verwendung. Genutzt wird es zum Waschen, Trinken, Nahrungsmittelzubereitung, zur Feldbewässerung sowie in der Industrie. Pflanzen und Landtiere benötigen Süßwasser zum Überleben. Die Wasserkrise betrifft im wahrsten Sinn alle Land-Lebewesen auf diesem Planeten.

 

Verschwendung von Wasser

Die Weltbevölkerung wächst und damit wird in der Folge mehr Wasser benötigt. Leider wird besonders in Industrieländern mehr Wasser verbraucht, als unbedingt notwendig wäre und damit verschwendet. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Wasser in Industrieländern ist in etwa zehnmal so hoch wie in Entwicklungsländern. 

Hinzu kommen die Dürreperioden, die Wasserquellen weltweit austrocknen lassen, wie z. B. in Rio Grande zwischen Mexiko und den USA, oder in Italien, das 2017 alle Brunnen in Rom aufgrund der anhaltenden Hitze abstellen musste. Zudem sind viele Gewässer weltweit stark verschmutzt. Der Citarum in Indonesien oder der Ganges in Indien sind die zwei meist verschmutzten Flüsse der Welt. Die Weltmeere sind von Plastikmüll durchzogen, die das Ökosystem der Meere selbst an vielen Stellen bereits zerstört hat. Wenn wir weiter zulassen, dass unsere Ökosysteme weltweit Schaden nehmen bis hin zur totalen Zerstörung, werden 2030 sicher zwei Drittel der Weltbevölkerung unter massiven Wassernotstand leiden.


Lebensstil nimmt Einfluss auf den Verbrauch 

Seit 1970 hat sich der Verbrauch von Wasser verdreifacht. Jährlich steigt der Wasserbedarf etwa um 64 Mrd. Kubikmeter. Die Ursachen sind vielfältig in unserem Lebensstil und Ernährungsgewohnheiten zu finden, die den pro Kopf Verbrauch enorm steigern. Zum einen wächst die Weltbevölkerung um 80 Millionen Menschen jährlich. Zum anderen wird Wasser industriell genutzt, die Produktion von Biokraftstoffen benötigt für die Herstellung von einem Liter Biokraftstoff zwischen 1000 und 4000 Liter Wasser. Die Hälfte der natürlichen Feuchtgebiete sind im vergangenen Jahrhundert der industriellen Nutzung zum Opfer gefallen. Ihre Flächen wurden zur Flächennutzung trocken gelegt oder mehr Grundwasser entnommen als nachgeliefert. Durch das Verschwinden der Feuchtgebiete sind auch Pflanzen- und Tierarten, die in Feuchtgebieten beheimatet waren, verschwunden. Gut die Hälfte unseres Trinkwasser, ist Grundwasser. Hierzu werden jedes Jahr ca. 1000 Kubikmeter Wasser aus den Aquiferen entnommen, um den Bedarf in der Landwirtschaft (2/3), privaten Haushalten (22 %) und der Industrie (11 %) zu decken. Da sich viele Grundwasserleiter langsamer füllen als Wasser entnommen wird, sinkt die Fördermenge. In der Folge sinkt der Grundwasserspiegel, was zur Austrocknung ganzer Seen und Flüsse führt. Die Flüsse in China haben auf diese Weise 1990 die Hälfte ihrer gesamten Längen eingebüßt. Der Winnipegsee oder der Ogallala-Aquifer in Nordamerika schrumpfen durch stete Entleerung. Brasilien als die wasserreichste Nation der Erde, hat inzwischen durch Überbeanspruchung und Hitzeperioden enorme Versorgungsprobleme, die immer häufiger auch zu Konflikten führen. 


Physische und natürliche Wasserknappheit

Die Knappheit von Wasser lässt sich in physische und natürliche Knappheit einteilen. In Regionen, wie in Nordafrika, auf den arabischen Halbinseln, in Zentral- und Südasien, Nordchina oder im Südwesten der USA, sind die natürlichen Wasservorkommen von Natur aus knapp. Ökonomische Wasserknappheit kommt vor, wenn Wasser zwar vorhanden ist, aber die Infrastruktur zu dessen Nutzung fehlt, wie beispielsweise in der Subsahara Afrikas oder Teile Mittelamerikas. Dort können die Bewohner nicht einfach den Wasserhahn aufdrehen. Die nächste Wasserquelle ist oft stundenlange Fußmärsche weit entfernt. Häufig sind es Kinder, die den Schulunterricht versäumen für einen Schluck Wasser, den sie für ihre Eltern besorgen müssen. 


Populationen bilden sich zurück, Tiere sterben aus

Der Wassermangel ist für alle Land-Lebewesen auf der Welt ein lebensbedrohlicher Zustand. Verschmutztes oder gar kein Wasser lässt Menschen krank werden und verdursten. Für Tiere bedeutet Wasserknappheit das Aussterben oder einen starken Rückgang verschiedener Arten. Die Flusssysteme des Amazonas und des Orinoco sind durch Schwermetalle aus dem Bergbau vergiftet, was den Amazonasflussdelfin fast aussterben lies. Aber auch die vielen Staudämme belasten die Tierwelt im Wasser, da die Fische von denen sich der Flussdelfin ernährt, nicht mehr zu ihren Laichgründen vordringen können. Vom Aussterben bedroht ist der chinesische Riesensalamander, eine der größten Amphibienarten, aufgrund der Staudämme für die Wasser- und Stromversorgung der Bevölkerung.

Mit unseren Wasserbauwerken greifen wir empfindlich in den natürlichen Lauf von Flüssen ein und schädigen dadurch die Lebensräume der dort lebenden Tiere. 


Ein ganzheitliches Ökosystem-Management ist notwendig

Um die Wasserkrise in den Griff zu bekommen müssen Ökosysteme feinsäuberlich organisiert werden. Kläranlagen könnten nach heutigem Wissenstand und bautechnischen Möglichkeiten, mit sauberer Energie betrieben werden. Abwasser kann zur Bewässerung der Anbauflächen von Biokraftstoffen genutzt werden, die dann wiederum Trinkwasseraufbereitungsanlagen antreiben. Nebenbei würden keine Emissionen von Treibhausgasen freigesetzt. 

Selbst Abwasser lassen sich mit Hilfe moderner Technik direkt wieder in Trinkwasser umwandeln. Bisher waren bzw. sind dafür enorme Energieaufbringung erforderlich, die die Treibhausgasemissionen in die Höhe schnellen lässt, so der Weltklimarat (IPCC). Sonnenernergie würde dem entgegenwirken und keine CO2-Emissionen freisetzen. Ähnlich der Entsalzungsanlagen im Mittleren Osten, die zunehmend mit Sonnenenergie anstelle von Öl betrieben werden. Auch Regenauffanganlagen können in Gebieten zum Einsatz kommen, die beispielsweise von Monsunen betroffen sind. Die saisonalen Niederschläge in den Monsunzonen fließen in verunreinigte Gewässer und bleiben ungenutzt. Auch in Europa, in dem wir den Klimawandel durch Unwetterzellen und Hitzeperioden mit Vertrocknung der Böden deutlich spüren, können Regenauffanganlagen bei Starkregen genutzt und zusätzliches Wasser gewonnen werden. 

Da sich Wasser und seine Einsatzgebiete nun einmal nicht an Ländergrenzen halten, sind internationale weitreichende Abkommen zwingend erforderlich. Ohne die Verringerung der Wasserverschmutzung und der unnötigen Verschwendung von Wasser in Industrie und Landwirtschaft werden wir die Wasserknappheit nicht besiegen. Besonders in den Entwicklungsländern sind heute schon neue, moderne Methoden zur Wassergewinnung und Aufbereitung für die dort lebenden Menschen überlebenswichtig. 


Wasser muss recycled werden, um die Biodiversität durch neue Biotope  zu fördern.
 

Ein Beispiel für Wasserrecycling lässt sich in Südaustralien finden. Im Stadtteil Salisbury in Adelaide konnte die Entnahme von Wasser aus dem Fluss Murray und der Aquiferen um die Hälfte verringert werden. Abwässer aus Kläranlagen werden gereinigt und zusammen mit Regenwasser aus der Kanalisation in ein System aus 50 Feuchtgebieten abgeleitet. In diesen Feuchtgebieten übernehmen Schilf und andere Pflanzen die weitere Reinigung des Wassers, um es anschließend als Nutzwasser in separaten Leitungen wieder in die Stadt zu befördern. Genutzt wird dieses Wasser zur Toilettenspülung, zur Gartenbewässerung, in PKW-Waschanlagen und Springbrunnen. Wasserrecycling dieser Art ist nicht nur nachhaltig, sie fördert und erhält auch die gesamte Artenvielfalt, bestehend aus Vögeln, Enten, Löffler, Reiher, Pelikane, Kormorane, Wattvögel, Amphibien, Fische und Wirbellose in den Feuchtgebieten. 

Fazit

Ich glaube, dass diese Welt noch nicht aufgewacht ist. Zu viele Skeptiker bezweifeln trotz aller wissenschaftlicher Beweise und inzwischen auch bei uns eingetroffenen sicht- und spürbaren Veränderungen der Klimaverhältnisse, etwa Superzellen, extreme Hitzewellen, Dürre auch in Deutschland, den Klimawandel und damit die Wasserknappheit. Der Klimawandel und die Wasserkrise werden und sind bereits die bedrohlichste und größte Krise der Menschheitsgeschichte, vor der wir alle stehen und Verantwortung übernehmen und endlich handeln müssen.

Das Leben selbst braucht Wasser!
Ohne ein Recht auf Wasser, wird das Recht auf Leben verweigert.
 


Deine/Ihre
Gabi C. Stratmann

Down to Earth! Jetzt Beratungstermin vereinbaren

#Philosophie #Gesellschaft #Nachhaltigkeit #Business #Freiheit #gamechanger #beratung #psychologieundmanagement #psychologischeberatung #Umwelt #erfolg #selbstführung #strategie #Marktwirtschaft #ökosystem #Klimawandel #wasser #ressourcen 

Quellen: 

Blue Covenant: The Global Water Crisis and the Coming Battle for the Right to Water (Maude Barlow)

Blaues Gold: Das globale Geschäft mit dem Wasser (Maude Barlow)

https://ec.europa.eu/environment//pubs/pdf/factsheets/water_scarcity/de.pdf

https://www.oxfam.de/english