Hätte das Leben keinen Sinn, wäre es für viele wohl einfacher.

Wenn ich mir das Geschehen auf der Welt anschaue, frage ich ich mich gelegentlich, ob der Mensch wirklich das Mass aller Dinge ist, wenn erst bei auftretenden Problemen das Denken beginnt; und das in der Überzeugung, Einbildung entscheide alles.
Genau genommen kommt man bei der Analyse unzähliger Verhaltensstrategien zu dem Schluss, dass der homo sapiens evolutionär betrachtet, im 21. Jahrhundert immer noch zu den sogenannten primitiven Primaten zählt, der auf Jäger- und Sammlerniveau agiert. Ein Tier, das Handel treibt bei einem wirren Geist. Getrieben durch äussere Umstände, die massiv auf Körper, Seele und Geist einwirken.
Das aktuelle „Pandemieverhalten“ resultiert aus der genommenen Wahlfreiheit, mit denen Optionen nicht mehr vorhanden sind; wobei die Frage gestellt werden muss, ob die Gesellschaft mit ihren zahlreichen individuellen Funktionssystemen nicht auch vor der Krise schon entzweit war.
Man lebt so vor sich hin
Bis dahin lebte man vor sich hin, ging den Verpflichtungen nach, alles und jeder schien „aufgeräumt“, es herrschte vielfach die Einstellung „man kann wenn man will, muss aber nicht, hat ja noch Zeit“. Diese Aufschieberitis ist gebrochen. Familien müssen sich wieder annähern, einen neuen Umgang mit ihren Kindern und Partnern lernen; das Familienleben muss neu strukturiert werden, plötzlich steht sie wieder da, die elterliche Verantwortung, ebenso für den Partner; back to the roots war zumindest so nie vorgesehen in einem System, wo jeder irgendwie funktioniert hat.
Im Bildungsbereich kann der Lehrer zwar nicht ersetzt werden, dennoch wirkt es, als habe man sich auf die erzieherische Übernahme der Verantwortung durch die Lehrer verlassen. Der Hybridunterricht wird die Zukunft sein und wäre früher oder später sicher gekommen.
Beruflich stellen viele fest, wie festgefahren viele Abläufe waren und immer noch sind. Es offenbaren sich Schwachstellen auf allen Ebenen menschlichen Handelns.
Das Politwesen agiert realitätsfern, wie es schlimmer bald kaum mehr geht. Globale Sicht und Individualität eines Landes müssen neu geordnet werden, in einer Welt, in der das Chaos herrscht und die Länder in Abhängigkeit zueinander stehen.
Klar festzustellen ist auch, das eine Jahrhundertkatastrophe, die eine ernste Gefahr für die Weltbevölkerung darstellt, weder statistisch noch mit schön geschmückter Symbolpolitik gelöst werden kann.
Die Ausschreitungen im Zusammenhang mit den Folgen der notwendigen Maßnahmen, sind ein Indiz dafür, dass der „Vertrag der Gesellschaft“, der ungeschrieben für Diplomatie, Frieden und Freiheit für alle gilt, aufgekündigt wurde. Der Mensch hat damit begonnen, das Seiende seines Selbst, zu analysieren mit der Folge, die Realität als Schatten des Bösen zu verkennen. Würde darin der wahre Schatten erkannt werden, müsste der Schluss gezogen werden, dass der Mensch mit seinem Handeln selbst es ist, der überwunden werden will.
Wissen und Erfahrung, die es braucht, um Krisen zu überwinden, gehen in der aktuellen Krise auf allen Ebenen der Gesellschaft weit auseinander.
Ein Leben ohne Selbsterforschung aber, wäre nicht lebenswert. Vielleicht lernen wir allmählich in dieser Pandemie, das wir alle ein Stückchen weit im „Selbsterforschungsmodus“ sind, einen vernünftigen Umgang mit dieser schwierigen Zeit, in der die Hoffnung auf einen positiven Ausgang, im sozialen und im wirtschaftlichen schwindet und der Mut und die Entschlossenheit nach neuen Wegen zu suchen, immer häufiger von Charakteren zunichte gemacht wird, die ihre „Zeit der Niedertracht“ für sich entdeckt zu haben scheinen.
Wer dich am Boden sehen und halten will, ist weder deiner Größe gewachsen noch in der Lage, mit Krisen einen vernünftigen Umgang zu finden. Er stellt sich die Frage, was diese wideren Umstände mit ihm machen, nicht.
So gesehen, kann nur derjenige auch in schweren Zeiten glücklich sein und der Zukunft Raum geben, der sein ICH überwunden hat.
In diesem Sinne suche nicht nach Gerechtigkeit; lebe sie.
Deine/Ihre
Gabi C. Stratmann
Unternehmerin, Philosophin, Autorin