„Schatz, ich lege mein Herz in Deine Hände“

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Beziehungen sind in unserem Leben das A und O, die Ansprüche an eine Solche häufig extrem hoch. Alles soll perfekt sein, der Partner, die Partnerin sowieso und am besten, funktioniert und spurt der andere genau so, wie wir uns das vorstellen.
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Forderungen werden unendlich viele gestellt, besonders in unausgesprochener Weise. Viel Lob ernten Partner/Partnerinnen ebenfalls, wie:
  • „Schatz, Du kannst so gut kochen“, was soviel bedeutet, wie „Koch gefälligst“.
  • „Schatz, Du bis der bessere Praktiker von uns“, was nichts weiter aussagt, als „Kümmere Dich darum.“
  • „Du hast doch den grünen Daumen“, soll heißen „Gieß die Blumen, die sind am vertrocknen.“
  • „Warum steht der Karton hier herum, der ist im Weg (steigt drüber), bedeutet, „Räum das auf“.
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Auf die Idee, sich selbst zu kümmern und nicht alles zu kommentieren, kommt man gar nicht erst.
Diesen und ähnlichen Argumenten ist eines gemein: es handelt sich um Funktionskomplimente! Anders ausgedrückt könnte man formulieren: Ich liebe Dich nur, weil Du dies und jenes gut kannst. Der Killer für jede Form der Beziehung. Denn die Aussage dahinter bedeutet, das die Person als Mensch, mit der man zusammenlebt egal ist.
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Ich nehme hier und da ganz bewußt auf, was um mich herum geschieht. Beim Einkaufen bin ich einem Ehepaar begegnet, bei dem einer brav den Einkaufswagen schob, während der andere die Utensilien rechts und links einsammelte, um sie in den Wagen zu befördern. Mein Eindruck der beiden Akteure täuschte mich nicht, denn: Sie fragte ihre Frau, ob noch genügend Waschmittel daheim wäre; Sie wolle am Wochenende die Maschine anschmeißen. Die Frau reagierte folgendermaßen: „das weiß ich doch nicht, du kümmerst dich doch um die Wäsche und ging Kopf schüttelnd samt Wagen weiter. Nun schaute ich zur Fragerin, es dauerte nicht lange, bis der Ärger aus ihr heraus platzte: Immer dasselbe, für’s Wäsche waschen bin ich gut genug, alles bleibt an mir hängen usw.
Diese Reaktion war zu erwarten.
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Was hat ihre Frau zum Ausdruck gebracht:
  • Du bist mir egal.
  • Der Haushalt mir egal.
  • Unsere Beziehung ist mir auch nichts wert.
Und genau das – „ich bin ihr nicht wichtig“ – ist bei der Ehefrau angekommen.
Wie hätte die Partnerin, wenn sie klare Aufgabenverteilung im Haushalt leben, reagieren können?
Sinngemäß: “Du Schatz, weiß ich gar nicht, ob wir noch etwas da haben, ich habe auch nicht mehr nachgeschaut. Lass uns doch einfach eines mitnehmen, dann sind wir auf der sicheren Seite.
Mit einer solchen Formulierung wäre zumindest das Signal gekommen, das Zuneigung, Wertschätzung, Respekt und Liebe vorhanden sind. Und eben nicht egal ist, daß der Haushalt an einem allein hängen bleibt.
Spannungsfelder in der Beziehung gibt es dann viele, wenn die Ansprüche an den anderen inklusive unberechtigter Forderungen zu hoch sind und die Art des Zusammenlebens und die Klärung individueller Bedürfnisse nicht besprochen werden.
Beziehung stellt zunächst nur drei Fragen:
  1. Was brauchst Du?
  2. Was brauche ich?
  3. Was braucht die gemeinsame Beziehung?
Also: Wem ist was wichtig?!
Hier muss der Konsens gefunden und Verbindlichkeit hineingebracht werden. Vertrauen innerhalb der Beziehung entsteht nur durch Verbindlichkeit. Daraus entstehen hohe Zufriedenheit, ein gutes Funktionieren als Team und nur minimale Rollenkonflikte.
Das Paar, unabhängig der Konstellation, fungiert immer zeitgleich als Liebespaar, Elternpaar, als guter Freund, als Ratgeber, Tröster und Helfer in der Not.
Toleranz, Offenheit, Ehrlichkeit und Treue resultieren auch aus einem guten Miteinander im beruflichen wie im privaten Kontext. Die Freizeitgestaltung muss ebenso stimmen, wie der Umgang mit und das Verständnis für die jeweiligen Jobs. Gemeinsame Zeit für das Besprechen von beruflichen Themen, als Beispiel, ist wichtig und sollte auch nur in dem dafür vorgesehenen Zeitraum besprochen werden. Wenn Freizeit angesagt ist, heißt das auch Handy und Co. beiseite und sich dem anderen voll und ganz zuwenden.
Eine Beziehung beginnt mit der Verbindlichkeit und dem Bekennen zueinander.
Sich gegenseitig kennenzulernen heißt nicht nur die Bedürfnisse, – auch die intimen Wünsche und Vorlieben herauszufinden, was in vielen Beziehungen erstaunlicherweise ein konfliktbehaftetes Tabuthema ist; auch die wunden Punkte, die Erfahrungen, die gemacht wurden zu ergründen, die Prägungen und Muster zu erkennen. Und hier beginnt das „ein bißchen auf Händen tragen“ ist erlaubt.
Denn wir tragen das Herz des anderen in unseren Händen. Und das gilt es zu hüten wie einen kostbaren Schatz. Wir befinden uns auf heiligem Boden, im Seelenleben des anderen. Und das ist sehr verwundbar; im Übrigen genauso wie bei uns selbst auch.
Es geht darum, die schmerzhaften Punkte nicht zu berühren, sondern zu schützen. Ein Stückchen weit, haben wir die Heilsalbe immer im Gepäck, um die Wunde im Fall des Falles liebevoll zu versorgen. Es gilt Sicherheit zu geben, im anderen geborgen und in guten Händen zu sein. Zu wissen, das wir vom Partner, der Partnerin nicht hintergangen und verletzt werden und wir all dies umgekehrt auch nicht tun. Das wir nicht in den wunden Punkten herumstochern, besonders, wenn es doch einmal zu Themen kommt, die besprochen werden müssen. Zieht einer Vorteile aus der Verletzlichkeit des anderen, ist die Beziehung vorbei.
Gib einem Menschen eine Glaskugel in die Hand, mit dem Hinweis, das diese zerbrechlich ist wie eine Seifenblase und auf einem bestimmten Gegenstand abgestellt werden soll. Du wirst alles dafür tun, diese Kugel sicher zu befördern und diese bloß nicht fallen zu lassen. Dein ganzer Körper ist hier in Alarmbereitschaft. Du wirst diese Kugel beinahe zitternd, ganz behutsam am Zielpunkt ablegen.
Trägst du das Herz eines Menschen in deinen Händen, handhabe es, wie diese Glaskugel. Suche niemals wunde Punkte und Defizite beim anderen, um den Überlegenen zu spielen, was viel zu oft geschieht. Hüte dich davor. Zeige Verständniss für die Befindlichkeiten des anderen.
Und denke immer daran:
Liebe muss aktiv, jeden Tag neu, gelebt werden! Das gute und vertrauensvolle Funktionieren einer Beziehung endet nicht, wenn der oder die Angebetete/r angebissen haben. Im Gegenteil, hier beginnt die romantische Reise zweier sich wirklich tief liebender Menschen, die im steten Dialog immer weiter zusammenwachsen.
Und ja, ich glaube an die ganz große Liebe, die ein Leben lang hält und trägt. Nicht, weil es immer leicht ist. Sondern, weil ich mich für die Liebe und für das Aktive Arbeiten an der Beziehung entschieden habe und es mit dem richtigen Menschen an unserer Seite, schlicht und einfach funktioniert.
Der Mensch, mit dem wir zusammenleben, darf sich an unserer Seite, in unseren Armen geborgen und sicher fühlen. Und ein wenig kokettieren mit der eigenen Frau oder dem eigenen Mann, hat noch nie geschadet. Ganz im Gegenteil. Zeige deinem Partner, deiner Partnerin, was er, was sie dir wirklich wert ist und das er oder sie auch ernsthaft geliebt ist.
Dabei ist es egal, wen du liebst, wenn du aufrichtig liebst und für die Liebe bereit bist. Es ist deine Entscheidung.
Eines noch, weil ich immer wieder gefragt werde: Liebe lässt Raum und Zeit und engt niemals ein. Sie trägt uns auch in und durch schwere Zeiten.
Deine/Ihre
Gabi C. Stratmann
Unternehmerin, Philosophin, Autorin