Das TV-Duell Merkel-Schulz zur Bundestagswahl 2017

Unangenehme Wahrheit der Wohlstandskluft oder Flucht nach vorne? 

„Goliath“ lächelt, „David“ lässt die Steinschleuder zu Hause“; den Gottesdienst besucht man nicht, aber man gedenkt in kleinen Kapellen lieben Angehörigen und Freunden. Vorbildlich.

Wenn „Goliath und David“ sich die Hände reichen, entstehen einvernehmliche Differenzen und trügerische Einigkeit, trifft Souveränität auf Unsicherheit, Inhalt auf Ausweichmanöver, Standing auf Instabilität und höfliche Diskretion auf zurückhaltende Moderatoren.

Dabei gäbe es genug Themen, die die Welt eigentlich in Atmen halten; etwa soziale Gerechtigkeit, Bildung, Arbeitsmarkt, Rente, Abgasaffäre, Maut, Aussenpolitik, Innere Sicherheit, Terrorismus, Kriminalität, Verteidigung und Aufrüstung, Abzug der US-Atomwaffen, etc.. Angesichts der gerne verschwiegenen Brisanz von Inhalten und Auswirkungen solcher Themen, werden die Zuschauer lieber durch ein beinahe meditativ anmutenden Duell’s, in einen regelrechten Trancezustand versetzt. Am Ende entsteht eine Art „Eigentlich-Egal-Stimmung“ in der Bevölkerung. Headlines lassen sich viele finden, Antworten hingegen bleiben rar. Alles im gewohnten Bereich. Passt also; schnell wird zur Tagesordnung übergegangen, kämpft mit dem täglichen dies und jenes und entscheidet am Tag X ganz spontan. Kaum erwacht aus der Meditation, werden Rufe laut, nach fehlendem Unterhaltungswert, wenig Kampf und mangelnder Impulsivität. Die Menschen verlangen nach etwas, was sie zeitgleich fürchten. Das Entertainment-Programm der USA hatte nach deren Wahlen, aus meiner Sicht, ernst zu nehmende Folgen. Und, nein das ist tatsächlich kein anderes Thema. Denn wir alle sind betroffen.

Mir reichen viele Antworten also nicht. Ich frage mich, was eigentlich hinter den galant umschifften Inhalten dieses Duells und vieler anderer Debatten, die aktuell geführt werden, wirklich steht? Auch Kunden kommen immer wieder in meinen Trainings oder nach Vorträgen zu mir und wollen Antworten auf ihre Fragen; was kommt auf Unternehmen und Mitarbeiter konkret und den Menschen im Allgemeinen zu? Welchen Herausforderungen müssen wir uns künftig de facto stellen? Wie sollen wir uns denn in derart unsicheren Zeiten ausrichten? Welche Konsequenzen werden Fehlentscheidungen nach sich ziehen? Was wird uns die Zukunft bringen?

Na dann, wagen wir einen Blick in die Glaskugel und beleuchten die eigentlichen Themen, hinter den Themen.

Auswirkungen eines exponentiellen Wandels deutlich zu spüren

Sicher ist, das der Wandel sicher ist. Hier scheint es inzwischen keine Zweifel mehr zu geben. Auch wenn sich viele nicht so recht an Veränderungen herantrauen. Lieber zunächst einmal der alt bewährten, typisch deutschen Tradition des Abwartens, treu bleiben. Man weiß ja nie und schließlich haben wir das ja immer schon so gemacht. Warum, bleibt ungewiss.

Welche Themen stehen also hinter den angedeuteten und in Teilen zu kurz gekommenen Themen, eines eher vorsichtigen Dialoges? 

Kommen wir gleich auf den Punkt; da wären die Veränderungen in der Arbeitswelt, globale Integration, ein kriselnder wie ebenso nachhaltiger Kapitalismus, Technologien und Entdeckung neuer Rohstoffe, Umverteilung geistiger Aktivität durch fortschreitende Technologisierung, Veränderungen im Gleichgewicht der Demokratie, Bildung und Gesundheitswesen in einer neuen Welt, Probleme mit der inneren Sicherheit und des Weltfriedens, damit einhergehende Probleme des Datenschutzes, Verschiebung von Machtfragen, um nur einige wenige Themengebiete zu nennen, die mehr und mehr an Brisanz gewinnen. Da verwundert es nicht, daß in einer zunehmend explosiven Lage, zu behutsamen Fragen und Antworten gegriffen wird. Die Herausforderungen, denen wir uns zu stellen haben, spiegeln die globale Wohlstandskluft wider.

Denken über Ländergrenzen hinaus notwendig

Auch wenn uns das angesichts der inneren Entwicklung nicht nur unseres Landes, gelegentlich schwer fällt. Das dürfte Kanzlerin Angela Merkel allerdings entgegen kommen. Sie besteht schließlich auf Dialog mit anderen Ländern und diplomatische Lösungen. Mitunter in typisch deutscher, Sie wissen schon, abwartender Manier. Ihr Herausforderer Martin Schulz hingegen, setzt regelmäßig zum Überholen an, um sich schnell wieder ausbremsen zu lassen. Auto fahren mit angezogener Handbremse, am Ende gar ohne Verbrennungsmotoren, scheint dann doch nicht recht zu gelingen. Ergo sind wir uns einig darüber, immerhin Verbrennungsmotoren sind uns auf Jahre sicher.

Wandel umfangreicher als jemals zuvor

Der Wandel hat längst sämtliche nationale Grenzen überschritten. Er ist schneller, härter und umfangreicher als jemals zuvor. Lange Zeit als gegeben und unverrückbar angesehene Wirtschaftstheorien, regionale Strategien oder rein nationale politische Maßnahmen, spielen unter heutigen Bedingungen keine Rolle mehr. Unsere Wirtschaft ist hierfür zu eng miteinander vernetzt und mit fest integrierten, extrem interaktiven und technologischen Innovationen verzahnt. Es entstehen zunehmend virtuelle Fabriken, Unternehmen sowie Dienstleistungen in allen Ländern der Welt, die keine persönlichen Interaktionen mehr zwingend benötigen. Dadurch steht der Mensch als Arbeitskraft nicht mehr ausschließlich im Wettbewerb zur Qualifizierung von Mitstreitern, sondern in regelrechter Konkurrenz mit intelligenten Maschinen, was gerne mit Fachkräftemangel umschrieben wird. Diese Form der Digitalisierung ist u.a. Antreiber für die Verlagerung von Arbeitsplätzen aus Industrieländern in Entwicklungs- und Schwellenländer, in denen die Bevölkerung groß und die Löhne niedrig sind. Das heißt, der Mensch wird durch mechanische Prozesse, Softwaresystemen, Robotern und künstlicher Intelligenz ersetzt, denn Effizienz, Nutzen und Einfluss dieser Form der Digitalisierung, wachsen jährlich.

Der heilige Gral des Fortschritts

Das Denken und Handeln in rein nationalen und regionalen Ökonomien ist angesichts der völlig neuen Ausrichtung der Weltwirtschaft zwar nachvollziehbar, aber nicht mehr ausreichend, da sich die Weltwirtschaft strukturell verändert. Entstanden ist ein neues Kräftespiel mit einer beinahe unkontrollierbaren schnelllebigen Dynamik, neuen Impulsen und anderen Strukturen bzw. Systemen. Handelsströme haben sich intensiviert, während die Produktionen selbst hinten nach bleiben.

Denken und Leben in der Welt unserer Jugend

Wir dürfen bei aller Entwicklung nicht übersehen, daß politisch betrachtet, natürlich die jeweiligen Nationalstaaten als Akteur, nach wie vor eine wichtige Rolle spielen; diese historische Ära sich aber eher dem Ende neigt. Schließlich denken und handeln wir emotional in einer Welt, die wir aus Kindertagen verinnerlicht haben und bewahren wollen. Tatsächlich müssen wir aus ökonomischer Sicht mit einer neuen Realität umgehen lernen. Technologie, Ökonomie und Politik werden gerne als getrennt agierende Einrichtungen gesehen; allerdings sind sie eng miteinander verbunden und repräsentieren dieselben Phänomene. Während es früher in politischen Auseinandersetzungen um das Arbeitsrecht und um die Verteilungsfestlegung des Einkommens aus Arbeit und Kapital ging, wird heute über beeinflussende Veränderungen durch technische Neuerungen der Zukunft und die „Umverteilung“ von Menschen (u.a. Flüchtlingskrise, Migration, etc.) und Macht (u.a. Nordkorea, USA, Türkei, etc.) debattiert. Der Unternehmer wird heute vor die Wahl gestellt, in Niedriglohnländern zu produzieren oder Personal durch Technik zu ersetzen. Die Blindheit vieler politischer Entscheidungsträger, für die Gesamtauswirkungen für Beschäftigte eines Landes, führt dazu, daß die grundlegende Rolle einer Arbeitskraft in der Wirtschaft infrage gestellt wird. Niedriglohnländer profitieren bis zu einem gestiegenen Lebensstandard, der unserem Standard entspricht, was wiederum zu höherem Lohnanspruch in Entwicklungsländern führt. An diesem Punkt wird der Mensch auch dort durch intelligente Maschinen ersetzt. Der verbleibende „restliche“ Arbeitnehmeranteil profitiert mitunter von einer höheren Entlohnung, aufgrund höherer notwendiger Qualifikationen, um künstliche Intelligenzen bedienen zu können; etwa Ingenieure, Physiker, Chemiker, Biologen.

Home-Office für Aufgaben, die über das Internet bedient werden können

Der Arbeitsmarkt verändert sich in freiberufliche Tätigkeiten, die bequem über das Internet, zumeist per Home-Office, abgewickelt werden können. Als Beispiel seien hier Finanzdienstleister, Juristen, Bilanzbuchhalter, die neuen Berufe um Coaches, Trainer, Berater, Berufe des Bildungswesens, Personaldienstleister, Journalisten, etc. genannt.

Die Auslagerung von Arbeitsplätzen und rasant wachsende künstliche Intelligenzen ziehen natürlich ein wachsendes Ungleichgewicht von Einkommen und Reinvermögen in allen Volkswirtschaften nach sich. Politisch ausgedrückt, schaffen zwar reiche Investoren Arbeitsplätze, doch infolge der Digitalisierung und Technologisierung, hat das zur Verfügung gestellte Kapital negative Auswirkungen auf die Arbeitsplätze im Zuge des damit verbundenen Stellenabbaus innerhalb des eigenen Landes. Durch die zunehmende Verlagerung von Jobs in den Bereichen Dienstleistung, Industrie und Landwirtschaft, die mit der beschleunigten Auswirkung der Technikrevolution einhergehen, muss dringend Ersatz geschaffen werden. Die weltwirtschaftlichen Veränderungen schlagen sich nach wie vor in hohen Zahlen von Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung nieder. „Wir haben 1 Millionen Langzeitarbeitslose in Deutschland. Das sind 1 Million zu viel“, stellt Angela Merkel fest. Hinzu kommt die sinkende Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen insgesamt. Konjunkturzyklen wirken immer mehr wie Ebbe und Flut an unseren Küsten. Zyklische Faktoren zählen für Arbeitsplatzgewinne und Jobverluste nach wie vor zu den üblichen Verdächtigen; insgesamt wirken alle wirtschaftspolitischen Akteure aber bei ihren Bemühungen, adäquate Arbeitsplätze zu schaffen, rat- macht- und hilflos. Ach ja, die Massenbewegungen und jene, die Anspruch auf Arbeit bekommen sollen oder qualifiziert werden sollen, sind statistisch ausserhalb der genannten Million erfasst. Diese Zahlen hat man gerade nicht im Kopf.

Wiedersinnige Ablenkungsmanöver

Von Arbeitsplatzverlusten sind überwiegend mittlere Einkommensschichten betroffen. Unsere Politik erklärt diese Tatsache gerne mit der Verlagerung ins Ausland sowie Fachkräftemangel, auch gering qualifizierte Arbeitnehmer werden schnell als „Übel allen Übels“ ausfindig gemacht. Von Investition in entsprechende Bildung keine Spur. Diese fatale Fehldiagnose löst regelmäßig Debatten über etwa Lohnkürzungen, ein Verhängen von Handelsbeschränkungen, Änderungen des Sozialvertrages zwischen Jung und Alt sowie Reich und Arm aus. Solche Ablenkungsmanöver in der Beschäftigungspolitik, finden ihr Echo in der verfehlten Diskussion über mögliche Auswirkungen rein nationaler politischer Maßnahmen, die aber auf Finanzströme im internationalen Zeitgeschehen fussen. Die Weltwirtschaft verändert Art und Umfang von Kapitalbewegungen durch komplizierte Algorithmen der Digitalisierung, mit all den destruktiven Folgen eines zu kurzen Zeithorizonts. Alle damit verbundenen Finanztransaktionen, auf die unser System aufgebaut ist, werden mittlerweile entsprechend abgewickelt. In der Folge entsteht ein hohes Maß an Unbeständigkeit sowie ein Dominoeffekt in der Weltwirtschaft. Immer häufiger treten größere Marktstörungen auf, die im wahrsten Sinne des Wortes, durch „Fehler im System“ (Software, gestörte Algorithmen, illegales Darknet, etc.) entstehen und fatale Auswirkungen weltweit nach sich ziehen. Wenn die Technik versagt, hat der Mensch immer weniger Möglichkeiten, Fehler zu identifizieren und „künstliche Intelligenz“ neu zu programmieren. Getreu dem Motto, erst beherrschen wir die Technik, anschließend beherrscht die Technik uns.

Gründe für die rasante Beschleunigung

Werfen wir kurz einen Blick in die Vergangenheit; ursächlich sind sicherlich der Zusammenbruch des Kommunismus und die Einführung einer stärker marktorientierten Politik in ehemaligen kommunistischen Blockstaaten zu nennen, die Öffnung und Modernisierung Chinas, die sich mit Zunahme ihrer Wirtschaftskraft bis dato beschleunigt, sowie revolutionäre Veränderungen im Verkehrs- und Transportwesen und der Informations- und Kommunikationstechnik. Es darf hier nicht unerwähnt bleiben, daß das Absenken von Handelsschranken im Zuge des Liberalisierungsprozesses mit dem „Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen GATT“, nach Ende des zweiten Weltkrieges, ausschlaggebend war. Seither haben sich Handelsströme verzehnfacht und entwickeln sich schneller als die Produktion selbst. Wir kennen aus der Vergangenheit immer wieder weltwirtschaftliche „Umkrempelungsphasen“. Erinnern wir uns beispielsweise an die Entdeckungsreisen des Christoph Kolumbus, Eunuch Admiral Zheng He (Ostafrikareisen) oder Vasco da Gamas (Umrundung des Kaps der guten Hoffnung) und andere, die Europa mit der neuen Welt und Asien verbanden. Die Entdeckung interkontinentaler Meeresrouten brachten Aufstieg und Fall sowie die Erschliessung von Landwegen mit sich. Erst die Pestepidemie zog die Kontrolle von Handelsströmen nach sich. Regelrecht aus den Angeln gehoben wurde die weltwirtschaftliche Struktur durch den Druck in Westeuropa und dem Zustrom von damals Gold und Silber sowie der landwirtschaftlichen Produktivität durch Einführung von Mais und anderen Nutzpflanzen in Europa und Afrika. Die industrielle Revolution nahm im Großbritannien des 18. Jahrhunderts Fahrt auf. Hier waren Ingenieure, Tüftler, Erfinder, etc. die Gewinner. Ihre Berufe sollten sich später bis heute in der Welt verbreiten.

Die globale Vernetzung beschleunigt den Einsatz neuer Techniken auf immer mehr Gebieten und ermöglicht zeitgleich immer häufiger sogenannte Mikro- und Makroerfindungen, die den Wegfall menschlicher Arbeitsplätze zugunsten vernetzter intelligenter Maschinen beschleunigen. Dabei wirken sich kleinste Verbesserungen in der Automatisierung und Effizienz massiv auf Effizienz und Produktivität bestimmter Branchen aus. Angela Merkel, das Smartphone stets zur Hand, bezeichnet sich selbst als digitale Kanzlerin, deren Herz für Innovation, Technik und Digitalisierung schlägt.

Kapitalismus und Flüchtlingskrise

Durch die weltweiten Veränderungen und Verschiebungen der Produktionsfaktoren Arbeit, Kapital und Rohstoffe sowie die zunehmende Verzahnung der Weltwirtschaft, entstehen Krisen. Vorteile von Kapitalismus gegenüber anderen Wirtschaftsordnungen sind hinlänglich bekannt. Effizienter ist der Kapitalismus in der Zuteilung von Ressourcen und der Abstimmung von Angebot und Nachfrage. Sicherlich schafft er mehr Wohlstand und ist mit unserem Wunsch nach Freiheit ebenso vereinbar, wie mit der Belohnung von Anreizsystemen für Leistung und Innovationen. Der demokratische Kapitalismus wurde Anfang des 21. Jahrhunderts, besonders nach den entsetzlichen Erfahrungen mit Systemen des Kommunismus und Faschismus, als die geeignetste Ideologie gefeiert.

Schwere Marktstörungen und Weltwirtschaftskrisen lassen aufhorchen

In den vergangenen zwei Jahrzehnten gab es immer wieder schwere Marktstörungen, die die Welt in Atem hielten. Diese Krisen mündeten 2008 in eine Weltwirtschaftskrise, deren Folgen wir heute noch spüren. Das Vertrauen in unser heutiges System wird zunehmend erschüttert durch wachsende Ungleichheit in den meisten großen Volkswirtschaften der Welt und zunehmende Konzentration von Reichtum an der Spitze der Einkommensleiter. Ein anhaltend hohes Niveau von Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung in den Industrieländern und die ungewöhnlich hohe öffentliche und private Verschuldung, haben zusätzlich Misstrauen gegen die Instrumente geschürt, mit deren Hilfe sich die Wirtschaftspolitik derzeit um eine Erholung und die Herstellung einer ausreichenden Wirtschaftskraft bemüht.

Wie oben bereits erwähnt, wächst in den Entwicklungs- und Schwellenländern, mit dem Anstieg der Produktivität, Arbeitsplatzzahlen, Einkommen und der Produktionsleistung, auch dort die Ungleichheit. Zeitgleich leiden viele Menschen in diesen Ländern unter entsetzlicher Armut und Entbehrungen, die unsere Vorstellungskraft beinahe übersteigt. Hier analysiert der Herausforderer Martin Schulz, das immer noch viel zu wenig getan werde, um Arbeitsplätze zu schaffen. Hier wolle er ansetzen. Wie genau beleibt fraglich.

Ein weiteres großes Defizit des Weltmarktsystems ist die beharrliche Weigerung, wichtige externe Effekte zu berücksichtigen; nämlich die Millionen Tonnen globaler Verschmutzung, die regelmäßig in die Erdatmosphäre gepustet werden.Die damit einhergehende Problematik solcher Effekte in der Markttheorie (Kosten und Folgen) sind bekannt, waren aber nie so akut wie heute. Umweltphänomene werden auf diesen Umstand zurückgeführt. Man debattiert lieber über Schuldige, anstatt nach adäquaten Lösungen zu suchen. Ein erster verzweifelter Versuch: der Dieselfahrer bleibt besser aus den Städten heraus.

Positive externe Effekte werden auf der politischen Bühne ebenfalls gerne heruntergespielt oder galant ignoriert. Daher herrschen beispielsweise in den Bereichen Bildung, Gesundheitswesen oder anderen öffentlichen Bereichen, chronische Unterfinanzierung. Wir müssen mehr für Bildung tun. Was genau, ist noch zu klären. Hierin herrscht harmonische Einigkeit. Doch, da wäre etwas, was auf jeden Fall hilfreich scheint: Lesen, stellt Martin Schulz freudig fest. Er habe sich gut vorbereitet und etwas gelesen. Die Kanzlerin scheint das Lesen schon zu können und reagiert mit einem verständnisvollen Lächeln. Dann ist ja alles gut, bemerkt sie. Mutti ist zufrieden. Chapeau. Die Entwicklung einer völlig neuen Lesekultur hätte durchaus revolutionäre Tendenzen.

Das politische System wird weltweit durch Lobbyisten, also jener, die die wachsende Konzentration des Wohlstands in ihren Händen halten, untergraben. Dadurch werden Regierungen in ihren Spielräumen und Handlungsfähigkeit eingeschränkt. Politische Veränderungen, zugunsten der Masse, auf Kosten der Reichen, können kaum gewinnbringend realisiert werden. Staaten werden dadurch regelrecht gelähmt und sind immer weniger in Lage, notwendige Maßnahmen zu ergreifen. Genau das führt zur Aushöhlung des Vertrauens in unsere Systeme. Besonders in Wahljahren wird diese Tendenz deutlich. Im Angebot stehen u.a. die Rente mit 70, was schnell mit 67 unterboten wird; keine Maut, eine Maut, deine Maut, teilweise Maut; Obergrenzen in der Flüchtlingsfrage, besser doch nicht, das wäre alles andere als diplomatisch; unser Land ist offen, aber bitte schliesst die Grenzen, nur nicht bei uns, sollen die anderen sich kümmern, Aussenposten sind gefragt, man kümmert sich darum, etc. Eine fussballbegeisterte Kanzlerin beherrscht das Spielfeld.

Viele Staaten fühlen sich angesichts der Anforderungen des globalen Kapitalmarktes, mit den mittlerweile unüberschaubaren weltwirtschaftlichen Kapitalflüssen, unter massivem Druck. Immer mehr Länder, beispielsweise Griechenland, Italien, Portugal, Spanien u.a. sehen sich mit der Notwendigkeit politischer Maßnahmen konfrontiert. Resultierend aus den Spielregeln des internationalen Marktplatzes. Demokratisch geäußerte Willenserklärungen von Bürgerinnen und Bürgern sind in diesem Spiel unerwünscht.

So gesehen, kommt man schnell auf die Idee, daß aufgrund dieser negativ empfunden Erfahrungen, der Mensch seine wirtschaftliche Zukunft, nur noch mit politischen Maßnahmen gestalten kann, was zwangsläufig zu gänzlich neuen Spielregeln und Veränderungen der gesamten Wirtschaft führt.

Gier nach kurzfristigen Gewinnen geht immer zu Lasten des langfristigen Nutzens

Wie erreichen wir mehr Nachhaltigkeit? Die Sucht nach schnellen, kurzfristigen Gewinnen, führt langfristig zu Gewinnrückgängen und liegt ursächlich im Kurzzeitdenken einer unsicheren Zeit (Atomtests, Test von Wasserstoffbomben, Mauerbau zu Mexiko, Islamisierung, neue Formen von Diktaturen, u.a.). Zusätzlicher Druck entsteht durch die Verschmelzung der Weltwirtschaft. Sämtliche Anlagestrategien sind auf Investitionen in Finanzinstrumente und Softwareunternehmen ausgerichtet, da diese schnell zu enormen Erträgen führen. Wenig ertragreich und eher teuer und aufwendig ist der Invest in physisch vorhandene Apparate. Unternehmen werden durch kurzfristige Perspektiven und falschen Anreizsystemen zur schnellen und kurzfristigen Ertragsgenerierung gezwungen. Viele Führungskräfte werden für kurzfristige Resultate belohnt. Hier muss angesetzt und ein Vergütungssystem installiert werden, das sich an den Zeitraum orientiert, in dem sich der Wert eines Unternehmens maximieren und mit den elementaren Faktoren von langfristigen Werten, vereinbaren lässt. Darüber hinaus dürfen Unternehmen sich nicht länger auf vierteljährliche Einnahmen konzentrieren, wenn sie nachhaltige Werte aufbauen wollen. „Kurzfirstigdenker“ übersehen den Nutzen von Investments, die sich über lange Zeiträume betrachtet, selbst auszahlen. Ein fataler Fehler, der sich weltweit niederschlägt.

Veränderung der Arbeitswelt

Damit der Mensch seine Zukunft tatsächlich wieder selbst in die Hand nehmen und gestalten kann, braucht es völlig neue politische Ansäte, um den weltweiten Veränderungen zu begegnen. Was wir aktuell erleben, hat nichts mit irgendwelchen immer wieder betonten Folgen von natürlichen Konjunkturzyklen oder vorübergehenden Störungen zu tun. Den Wandel, den wir heute spüren, hat nicht nur historische Ursachen, sondern geschieht in einer nie da gewesenen Größenordnung. In der Menschheitsgeschichte gab es immer schon massive Veränderungen in der Produktivität von Menschen und Erleichterungen des Alltags durch technische Revolutionen. Denken wir an die Entwicklung von Techniken und Werkzeugen aller Art, etwa Speere, Äxte, Pflüge, Dampfmaschinen etc., durch die Qualifikationen und Erfahrungen überflüssig wurden, auf die der Mensch gebaut hatte, um ertragreich zu wirtschaften. In der Vergangenheit wurden mit jeder Neuentdeckung, die das Leben angenehmer gestalteten, alte Strukturen aufgelöst und neue geschaffen, um ein Gleichgewicht zwischen Produktivität und Bedürfnisbefriedigung zu erreichen.

Solche Veränderungen in Arbeitsstrukturen zogen und ziehen immer große soziale Veränderungen nach sich. Beispielsweise seien die Massenabwanderungen aus ländlichen Gebieten in Städte oder die geografische Trennung von Arbeits- und Privatleben genannt. In der Vergangenheit führten fortschrittliche Veränderungen zu wirtschaftlichem Wachstum und Senkung des Arbeitsaufkommens bei steigendem Wohlstand.

Dieses Phänomen kehrt sich heute um. Während früher Umwälzungen allmählich von statten gingen und technische Innovationsphasen sich nur langsam entwickelten, erleben wir heute ein Tempo, daß unsere Vorstellungskraft beinahe übersteigt. Unsere Realität ist geprägt von immer neueren und feineren Technologien. Politik und Wirtschaft sind weder auf das Ausmaß der Entwicklungen noch auf die Qualität der Veränderungen vorbereitet. An dieser Stelle offenbaren sich nationale wie internationale „Störungen im System“. Die Entwicklung der Technik und Digitalisierung verändert unsere Art zu Leben radikal, was zur Folge hat, daß wir unsere Kultur und unser Sozialgefüge, schneller anpassen müssen. Denken wir hier u.a. an Flüchtlingspolitik, Migration, Massenbewegungen, kulturelle Unterschiede, Religionen, innere und äußere Sicherheit, etc. National stehen wir vor einer Neustrukturierung des gesamten Sozialwesens und weiteren Systemen.

Das gesamte Beziehungsgefüge von Mensch zu Mensch, zu Arbeit, Bedürfnisbefriedigung und Unternehmertum gerät ins Wanken. Was den Menschen ungeachtet seiner Herkunft umtreibt, sind das Bedürfnis nach Wohlstand, Frieden, Arbeit, Karriere, Leistung gegen Bezahlung, Wohlbefinden, Sicherheit, Anerkennung, Würde, Zugehörigkeit, Gemeinschaft, etc. In der Vergangenheit gelang es noch, sich mit materiellen Symbolen zu schmücken und Geld als Tauschmedium und zur Leistungsbilanz sowie für die Bereitstellung produktiver Leistung, heranzuziehen. Heute geraten große Bereiche an Beschäftigungschancen in Gefahr. Wir müssen angesichts der neuen Realität neue Möglichkeiten und Wege finden, produktives Potential gegen Einkommen auszutauschen. Wo früher mit jeder Innovation auch neue höherwertige Arbeitsplätze geschaffen werden konnten, fallen diese heute in erheblichen Maße weg. Der Dieselskandal veranschaulicht auch den Druck von Unternehmensführungen, den Anforderungen des Welthandels und einer immer weniger handlungsfähigen Politik gerecht zu werden (etwa kurzfristige schnelle Gewinne, Steigerung des Exports, Reduzierung von Umweltverschmutzung, Klimaschutz, etc.). Die Verantwortlichkeit dieses Missbrauchs muss sorgfältig beleuchtet werden. Was über unseren technischen Fortschritt und intelligenter Software „schön gerechnet“ werden kann, gibt das Produkt selbst kaum her. Diesel bleibt Diesel. Hier werden sich Management und Politik den „schwarzen Peter“ im wahrsten Sinne des Wortes, gegenseitig zuschieben. Angesichts der Innovationen in der Automobilindustrie, als eines der Herzstücke unserer Wirtschaft, währen 800.000 Arbeitsplätze kaum ersetzbar und beträfen weitere wichtige Zweige unseres Handels. Nicht zuletzt steht das Auto im übergeordneten Sinne für Fortschritt, Bewegung, Dynamik, Freiheit und Innovation. Käme eine solche Branche zum erliegen, hätte das fatale Auswirkungen weltweit.

Grundlegende Bedingung zwischen Technik und Beschäftigung im Umbruch

Durch technische Innovationen, die heute alle künstliche Intelligenzen beinhalten, erweitern wir unsere Denk- und Handlungsmöglichkeiten mit schwerwiegenden Folgen. Technologien werden immer mehr menschliche Fähigkeiten und Bereiche übernehmen, beispielsweise das Greifen und Lenken von Gegenständen, z.B. selbst fahrende PKW als Zusammenführung neuer Formen (Prototypen fliegender Auto’s ), Änderungen im Ferntransport, wechselseitige Kommunikation und Informationsgewinnung sowie die Erschaffung neuer Realitätsmodelle in noch schnellerem Tempo als jeher. Besonders die Mittelschicht wird betroffen sein, durch die zunehmende Entkoppelung von Produktivitätszuwächsen und der Verbesserung des Lebensstandards.

Fazit: Neue Arbeitsplätze müssen geschaffen werden, da weitere Jobs der Modernisierung zum Opfer fallen werden. Hier ist die öffentliche Hand gefragt und genau hier offenbart sich die Einflussnahme der Lobbyisten.

Neues menschliches Nervensystem

Das Internet ist das neue menschliche Nervensystem, das die Welt umspannt. Es findet nicht nur ein sachlicher Informationsaustausch statt, vielmehr nimmt es in erheblichen Maße Einfluss auf Gefühle, Emotionen und Gedanken von Milliarden Menschen. Diese schnelllebige Form der Kommunikation bringt eine regelrechte Flut an Veränderungen mit sich, die umbruchartige Folgen für verschiedenste Bereiche, beispielsweise von Kunst, Wissenschaft oder politischer Entscheidungsfindung bis hin zum Unternehmensaufbau ebenso wie kreative Schaffensräume. Andere Branchen kämpfen regelrecht ums Überleben, etwa Buchhandlungen, Reiseagenturen, Zeitungen, Musik- und Videogeschäfte, Fotogeschäfte, Postwesen durch alle Formen der elektronischen Nachrichtenübermittlung, etc. Klassische Unternehmensformen dieser Art haben zwei Möglichkeiten, rasante Veränderungen vorzunehmen und Alltag werden zu lassen, oder vom Markt zu verschwinden. Diesen Umstand haben moderne Unternehmensformen, wie etwa die Social Media-Unternehmen wie Google, Twitter, facebook, LinkedIn, u.a. oder Unternehmen wie Amazon, iTunes, oder eBay u.a. erkannt und genutzt.

Albert Einstein dürfte sich die Hände reiben, würde er noch leben. Seine berühmte Aussage: (Zitat) „Lernen Sie nie auswendig, was Sie in Büchern nachlesen können“, erfährt eine digitale Revolution. Die Umverteilung geistiger Aktivität funktioniert durch das permanente Abrufen von Wissen im Netz ausgezeichnet. Und wir alle sparen enorm viel Gehirnkapazität. Es erscheint doch ganz wunderbar, auf diesem Wege andere Kapazitäten für neue Aufgaben zu schaffen. Wären da nicht unsere Nervenbahnen. Diese wachsen und dehnen sich nur durch Aktivität aus. Der sträfliche Nichtgebrauch unserer neuronalen „Baumkrone“ geht zu Lasten unserer Leistungsfähigkeit. Tatsächlich dockt unser Gehirn sofort nach Anwendung, an das digitale Universum an. Praktische Intelligenz bemisst sich in unserem Jahrhundert u.a. auch daran, wie schnell jemand relevante Informationen im Internet findet. Eine Fatale Fehlentwicklung. Denn das Erinnerungs- und Kombinationsvermögen, die Fähigkeit des abstrakten und komplexen Denkens des Menschen, was unsere Spezies ja eigentlich ausmacht, baut sich so langsam und schleichend ab. Die Fähigkeiten, die sich der Mensch über Jahrhunderte mittels Zeichen, Hieroglyphen, Piktogrammen, Keilschriften, verbalem Ausdruck, von Steintafeln über Papyrus und Pergament bis hin zum damals phonetischen Alphabet; später vom erdachten griechischen Alphabet bis hin zum Dualsystem von Nullen und Einsen, angeeignet, erlernt und als Wissensaufbau und Fortschritt nutzte (u.a. Erfindung der Druckerpresse) kann nicht mehr standhalten, mit einer modernen Zukunft. Das Internet zählt heute zu den „Menschenrechten“. Über die Hälfte der Erdbevölkerung verfügt heute über moderne Informationstechnologien und wird von diesen bestimmt. Viele Smartphone-Nutzer legen ihre Geräte gerade noch im Schlafmodus zur Seite. Kaum ist das morgendliche Erwachen vollzogen, schnell ein Blick hier und da und schon befinden wir uns mitten im Geschehen des world wilde web. Dieses Verhalten setzt sich über den Tag fort. Auf dem Weg zur Arbeit, in der Pause, selbst im Auto wird jede Gelegenheit genutzt, ungeachtet der drohenden Gefährdung im Strassenverkehr. Willkommen in einer neuen Nervenzentrale. Durch die unzähligen Face-Time-Möglichkeiten die Smartphones mitbringen und einer beinahe 24-Stunden-Präsenz im Netz vieler Menschen, geht die Veränderung sogar bis hin zum Facelifting, da das Smartphone gnadenlos das reale Selbstbild offenbart. Das wiederum erfreut Unternehmen, die sich auf das Geschäft mit der ewigen Jugend und der Schönheit spezialisiert haben.

Demokratie im Gleichgewicht

In Zeiten von so tiefgreifenden Veränderungen wird der Ruf nach innerer Sicherheit und einem stabilen Handel laut. Um Stabilität und Sicherheit gewährleisten zu können, stellt sich eine neue Frage: Wie kann Demokratie in einem neuen Zeitalter aussehen? Durch das Internet haben die Menschen die Möglichkeit, Ihre Meinungen zu äußern, Input zu bringen und zumindest teilweise entsprechende Beurteilungen vorzunehmen. In der Hoffnung, einem Erstarken der Selbstverwaltung entgegen zu wirken. Die Lesebereitschaft und -fähigkeit nimmt einen zyklischen Verlauf; in etwa so: Lesen von ersten Schriftsätzen und Literatur – Fernsehen mittels Geräten- Lesen von Daten und Informationen im Internet – Fernschauen über youtube – Lesen digitaler Neuhieroglyphen – … . Merken Sie etwas? Heute setzten viele Verfechter der demokratischen Selbstverwaltung ihre Hoffnung auf die Wiederbelebung eines stabilen demokratischen Diskurses durch das Internet. „Wir müssen im Dialog bleiben. Ich telefoniere mit jedem“, so Angela Merkel. Wohlwissend, daß in einigen Ländern, Kapital und Wirtschaftsmacht über dem öffentlichen Interesse stehen und in anderen Ländern unseres Planeten, eine unbeugsame Macht autoritärer Diktaturen besteht und gar „wieder“ im Entstehen sind. Die Bevölkerung weltweit nimmt über das Internet massiven Einfluss auf Diplomatie, Diktaturen und anderen politischen Systemen. Das Gefühl von Schwäche, Unsicherheiten, Arbeitsplatzverlusten, einer ungewissen Zukunft, Krisenherden und Brennpunkten, Fragen deren Antworten auf sich warten lassen, Sorge vor dem Verbleib und der Zukunftsfähigkeit eines jeden Einzelnen, führen heute via Internetaufrufen, zu Reform- und Revolutionsbewegungen.

Reformgegner nutzten den G20-Gipfel in Hamburg, zu deren Ausschreitungen über das Netz aufgerufen wurde. Begleitet durch Aufschwung, Enttäuschung, Stillstand und Fall und einer leisen Hoffnung, nach einer kurzen Stagnation, seine Ziele doch noch friedlich ? zu erreichen. Die Demokratie gerät ins wanken und muss wiederbelebt werden. In vielen autoritären Ländern wird die Nutzung des Internets und die Informationsbereitstellung länderübergreifend stark kontrolliert und mitunter unter Androhung von Strafen ausgehebelt. Förderlich für die Sicherung der Demokratie, ist die Möglichkeit, durch Einmischung und Mitsprache, ein neues kollektives politisches wie wirtschaftliches Bewusstsein zu erlangen. Deutschland ist neben Estland und Lettland, Vorreiter bei der zur öffentlichen Verfügungstellung ihrer Dienste und stehen so im produktiven wechselseitigen Austausch zu ihren Bürgern. Dennoch erscheint Euphorie nicht angemessen, da die Weitergabe von Informationen auch in demokratischen Ländern, immer noch durch politische Apparate kontrolliert, gesteuert und über sogenannte Hauptkanäle wie öffentliches Fernsehen verbreitet werden.

Die Demokratie steckt in einer gefährlichen Übergangsphase fest. Von der Entstehung eines sinnvollen demokratischen Diskurses im Internet, ist der gesamte Journalismus, Radio- und Rundfunkanstalten ebenso betroffen wie Zeitungen, da sich immer mehr Reformer und Kämpfer für das öffentliche Interesse und Systemgegner gegenüber stehen. An dieser Stelle punkten wiederum die Lobbyisten, besonders in Wahljahren, da sie galant ihre Produktwerbungen platzieren, sie in allen Medien unter verschiedene Diskurse mischen, mit denen die politische Agenda wiederum geformt werden.

Wer vom digitalen Universum profitiert

Öffentliche Güter wie Schulbildung, Gesundheitssystem, Umweltschutz, Sicherheit und Selbstverwaltung jedenfalls noch nicht. Hier herrscht im Wahljahr, zumindest im Duell, traute Einigkeit darüber, daß auf jeden Fall noch viel getan werden muss. Immerhin, ein Anfang. In dieser unsicheren Übergangsphase scheitern bisherige Forderungen der Öffentlichkeit, effiziente digitale Modelle stärker zur Bereitstellung öffentlicher Dienste zu nutzen, an der Unbeweglichkeit des demokratischen Systems. Gewinner dieser noch nicht etablierten digitalen Demokratie, ist der Profit der Macht, also derjenigen, die die Chancen des Internets zu nutzen verstehen.

Unsere erdrutschartigen Verschiebungen kommen an unseren Schulen nicht an. Noch immer wird Bildung mit Auswendiglernen von Fakten gleichgesetzt, ungeachtet dessen, daß Fakten ständig zur Hand sind. Immerhin hat man erkannt, daß es sinnvoll erscheint, wenn unsere Kinder in der Grundschule die deutsche Rechtschreibung wieder erlernen. Hier gibt es große Unterschiede in der Art der Stoffvermittlung zu Lasten der Resultate. Durchaus ist das ein akzeptabler Ansatz. Das Schulsystem muss mehr Zeit auf das Erlernen von Fähigkeiten legen, die es erlauben, Querverbindungen zwischen den Fakten zu erkennen, Qualität in richtige Informationen zu bewerten, größere Gesetzmäßigkeiten zu erfassen und die zugrunde liegenden tieferen Bedeutungen zu erschließen. In Betracht gezogen werden könnte auch das Denken wieder zu erlernen. Das Einführen von Philosophie, Ethik und Moral gehören dazu. Ansätze wie E-Books für Tablets, fesselnde Onlinekurse oder digitale Schulbücher sind immerhin vorhanden, setzen sich an vielen Schulen bis dato aber nicht durch. Ausgerechnet in einer Zeit, in der Schulreformen wichtig wären, werden finanzielle Mittel für Bildung gesenkt. Der politische Einfluss derer, die sich für eine Erhöhung der Bildungsausgaben einsetzen, schrumpft nicht zuletzt dadurch, daß der Bevölkerungsanteil insgesamt altert und damit der Anteil von Eltern schulpflichtiger Kinder, sinkt. Hier ist die Kreativität von Lehrern gefragt, Modelle zu entwickeln, die den Unterricht zeitgemäß und ansprechend gestalten, um das veralterte System zu ersetzen. Das heutige Bildungssystem verfehlt das notwendige Qualitätsniveau einer neuen Zeit. Wie wäre es mit einer Schulz’schen Lesestunde. Politik verpflichtet.

Das Problem liegt in der Natur des Menschen

Das Internet verändert die Struktur unseres Denkens, auch unserer Beziehungen, allerdings ohne unsere menschliche Natur zu verändern. Genau hier entsteht der uralte Kampf zwischen Gut und Böse oder anders ausgedrückt aus Ordnung wird Chaos. Der bedenkenlose Informationsaustausch im Internet, kommt der Faustsage gleich. In der heutigen Zeit schließen wir alle einen regelrechten Pakt mit dem Teufel, in dem wir unsere Seele gegen grenzenloses Wissen und weltliche Vergnügungen eintauschen. Versäumen wir in diesem Zusammenhang, den Schutz der Privatsphäre und des Datenschutzes, setzen wir kostbare Werte auf’s Spiel. So verlockend der öffentliche Informationsaustausch auch sein mag, genau so hoch ist der Preis, den wir dafür bezahlen. Der völlige Kontrollverlust über Sicherheit und Privatheit von Gedanken und Informationen. Der „Distanztod“ und das „Ende des Privatseins“ halten nicht zuletzt auch dadurch Einzug, daß Unternehmen längst die hinterlassenen Spuren der Nutzer für sich entdeckt haben und in der Lage sind, öffentliche wie private Informationen für ihre eigenen Zwecke zu sammeln. Ebenso „etabliert“ hat sich der „Berufszweig“ der „Hacker“. Wie wir sehen, sitzt uns der Faust’sche Teufel, mit jeder Spur die wir im Netz hinterlassen, im Nacken. Dabei sind digitale Informationen heute für viele Unternehmen und Zweige strategisch extrem wichtig, bergen zeitgleich aber auch hohes Konfliktpotential. Das betrifft auch die sich überschneidenden Welten von Politik und Macht, Handel und Industrie, Kunst und Kultur oder Wissenschaft und Technik.

Konflikte werden zunehmend über das Internet ausgetragen und viele springen auf diese Züge auf. Negativschlagzeilen verbreiten sich wie das sprichwörtliche Lauffeuer. Der Traum von Reformern, das Internet werde weltweit mehr Freiheit mit sich bringen, schürt Ängste bei autoritären Herrschern. Cybersicherheit zu generieren ist aufgrund der internationalen Grenzüberschreitung kaum realisierbar. Es können national kaum Lösungen gefunden werden, bei Konflikten, die die Gesetze, Regulierungen und Werte des jeweiligen anderen Staates reflektieren. Die Sicherheit im Internet besteht nicht nur aus der Sicherung von Daten mit kommerziellem, nachrichtendienstlichem oder militärischem Wert. Vielmehr ist die gesamte Infrastruktur gefährdet, da Wasser- und Stromsysteme, Kraftwerke und Raffinerien, Transportmittel und viele andere Systeme, online kontrolliert und gesteuert werden. Würde die Infrastruktur eines Landes angegriffen, bestünde auch erheblicher Schaden an Leib und Leben.

Insgesamt lösen sich unsere Systeme aus einer alten Ordnung, die einst auf Grundlage von Nationalstaaten entwickelt wurde, heraus. Sicherlich spielt die jeweilige Nation im Kontext staatlichen Handelns immer eine wichtige Rolle. Doch die weltwirtschaftlichen technologischen und digitalen Verstrickungen zwingen alle zu einem Einigungsdruck. Entscheidungen, mit denen die Bevölkerung einzelner Länder und der Welt konfrontiert sind, können nicht mehr nur von einzelnen Staaten getroffen werden. Die Macht zur Gestaltung der internationalen Zukunft verteilt sich auch und besonders durch die digitalen Möglichkeiten über den gesamten Globus. In der Folge werden Entscheidungen sowohl durch einzelne Länder als auch in der internationalen Gemeinschaft, immer schwieriger.

Durch die weltumspannende Kultur dieser fest verzahnten Weltwirtschaft, verschieben sich auch die Machtverhältnisse. Das politische Gleichgewicht in der Welt befindet sich in einem massiven Wandel. Ein solches Ausmaß hat es, seit der Verbindung Europas mit dem amerikanischen Doppelkontinent und Asien auf dem Seeweg vor über 500 Jahren, nicht mehr gegeben.

Das Machtungleichgewicht zwischen den Nationen ist weltweit deutlich zu spüren und der geheime Antreiber, in einem wahlbeherrschenden Jahr sowie zahlreichen Diskussionen und Aktivitäten.

Was Diplomatie noch ist

„Güte ist unbesiegbar, aber nur wenn sie aufrichtig, nicht geheuchelt oder vorgetäuscht ist. Was kann schon der gemeinste Mensch ausrichten, wenn du ihm mit Güte begegnest und ihn, wenn es dir möglich ist, sanft belehrst – genau in dem Moment, in dem er versucht, dir Schaden zuzufügen.“ (Marc Aruel, Selbstbetrachtungen, 11.18.5.9a)

In diesem Sinne, wünsche ich uns allen, eine friedliche, gemeinschaftliche und freie Zukunft.

Gabi Stratmann 

Bildquelle:
Mit freundlicher Genehmigung des ZDF und WDR/Herby Sachs

Bildbeschreibung:
“Das TV-Duell Merkel – Schulz”: Shake-Hand zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrem Herausforderer Martin Schulz beim TV-Duell in Berlin-Adlershof

Rechtehinweis:
© Honorarfrei – nur für diese Sendung inkl. SocialMedia bei Nennung ZDF und WDR/Herby Sachs

Archivnummer:
66715-0-3

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